Ayşenputtel und die Diva-Flüsterin

Gestern war wieder mal ein Shit-Tag für mich. Ja, mit mir wird’s echt nie langweilig.

Wie alles begann …

Gestern Vormittag hatte ich einen Termin bei meinem Urologen. Den sehe ich in letzter Zeit sogar häufiger als meinen DHL-Mann (der auch für Nachbarn bei mir anklingelt).
Er hatte letzte Woche Blut abgenommen (also mein Urologe, nicht der DHL-Mann), weil er den Wert des Parathormons (Nebenschilddrüse) wissen wollte. Wenn der nicht in Ordnung ist, kann es nämlich auch ein Grund sein, warum mein Körper ständig Nierensteine produziert.
Und da ich am Wochenende SCHON WIEDER Nierenschmerzen hatte, traf sich der Termin ganz gut.
Er gab mir die Neuigkeit, dass mein Parathormon-Wert zu hoch sei (bei niedrigem Kalziumwert) und er mir jetzt Vitamin-D verschreibt, und ich gab ihm die Neuigkeit, dass ich seit Samstag schon wieder Schmerzen habe. Was haben wir beide uns doch gefreut! (Nicht)

Er musste dann aber noch einen drauflegen, während er beim Ultraschall sagte „Sie haben einen Nierenstau. Ich muss Sie sofort ins Krankenhaus überweisen“. OK, gewonnen.

Ich, erstmal sofort nach Hause gefahren, schnell meine Tasche fertig gepackt und ins gleiche KH gefahren, wo ich erst vor einer Woche entlassen wurde.
Ach so, ein wichtiges Detail muss ich noch hinzufügen: Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch nicht gefrühstückt. Nur ne halbe Banane. Hab morgens nach dem Aufstehen nie sofort Hunger und wollte nach dem Arztbesuch in Ruhe frühstücken. Wer rechnet denn damit, dass man sofort ins KH muss und dann … aber dazu gleich.

Fazit: Habe das KH um 12:15 Uhr betreten und durfte es um 19:30 wieder verlassen. In dieser gesamten Zeit wurde Folgendes durchgeführt:
1. Gespräch und Ultraschall (20 Minuten)
2. Blutentnahme, Zugang legen (5 Minuten)
3. IVP (Nierenröntgen mit Kontrastmittel, ca. 35 Minuten)
4. Später noch ein weiteres Röntgenbild (5 Minuten)
5. Endgespräch mit dem Arzt, bevor ich nach Hause durfte (10 Minuten)

Das macht genau 1 Stunde und 15 Minuten.
Meine Verweildauer im KH, bzw. im Wartezimmer der urologischen Ambulanz betrug aber insgesamt fast 7 Stunden! Merkt ihr was?
Genau, meine reine Wartezeit betrug fast 6 Stunden.
SECHS. STUNDEN ! Mit nüchternem Magen !!!
Ich durfte nämlich ausdrücklich nichts essen und trinken, weil sie nicht wussten, ob sie nicht doch noch irgendeinen Eingriff bei mir durchführen mussten.

Irgendwann fühlte ich die Unterzuckerung und den Hunger so deutlich (Kopfschmerzen, Übelkeit, extreme Gereiztheit), dass meine innere Diva mehr und mehr zum Vorschein kam.
Sie wuchs und entwickelte sich regelrecht phasenweise: Von einer Beatrice Egli zur Jennifer Lopez, von einer Zsa Zsa Gabor zur Joan Collins!

Ich versuchte ihre Stimme zu verdrängen, die in mir quengelte und schrie und rumstänkerte:“ Miimimimii… die Stühle hier sind total ungemütlich! Mimimimiii… der Typ da in der hintersten Ecke hat Mundgeruch! Mimimimii… Die Bilder da an der Wand sind doof. „Concentric Circles“? Wat soll datten sein? Kunst? Das hätte meine 8-jährige Nachbarstochter viel schöner hingekricht. Und husefack ist Kandinsky?! Mimimii… Ich hab Hunger und will jetzt was essen. SO-FORT!!“

Und nett und freundlich waren alle da. Jede Schwester, jeder Arzt. Bah!
Konnte man sich noch nicht mal mit jemandem anlegen.

Jemand so: Entschuldigen Sie, haben Sie …
Und ich so:

OK, am Ende des Tages durfte ich also nach Hause: Es war kein Stein unterwegs, alle noch schön brav in beiden Nieren schlummernd. Die Beschwerden könnten von dem letzten Eingriff sein, oder aber auch von der relativ großen, bereits bekannten Nierenzyste, die ich da auch noch habe. Im Röntgen konnte man erkennen, dass das Kontrastmittel in der linken Niere etwas langsamer abfließt, als in der rechten. Nierenstau (nur) 1.Grades. Aber seit Samstag keine Schmerzen mehr.

Empfehlung: Ambulante Therapie. Als nächstes liegt eine Nierenfunktionsuntersuchung an, dann sieht man weiter.
Soweit, so gut.

Im Auto, als mein Mann mich abholte, erwartete ich schon, dass er mir einen Snickers mitbrachte und sagte:“Du bist nicht Du, wenn Du hungrig bist.“

Ich sagte: „Bitte schnell nach Hause. Und auf dem Weg zum Dönerman.“ Dönerman war heute mein Superman!

Irgendwann hatte ich nämlich so die Schnauze voll und es war mir alles egal. Wollte nur ganz schnell was essen, was Fettes, Mächtiges, und dann noch Süßes! Punkte und Kalorien und Waage konnten mich mal. Pah!

Diese, diese nervige … Tussi auf meiner rechten Schulter meldete sich wieder zu Worte …

„Miiimiii… Aber, Ayşe, Du solltest vernünftig sein. Ein Döner und dann was fieses Süßes ist keine gute Idee. Du wolltest doch-„

*nachäff* „Ebe de welltest dech…“ Mooaaah, die Alte nervt sowas von!

Der coole Typ auf meiner Linken und ich so:“SCHNAUZE!!!!“

Aber diese blöde Schlampe ließ einfach nicht locker!
Sie redete so lange auf mich ein, bis ich zu meinem Mann sagte:“Halt‘ bitte nicht beim Dönerman, sondern bei Rewe an.“
Der hatte ja noch bis 21 Uhr auf und da holte ich mir dann ein Baguette zum Aufbacken (frische gabs da leider in der Bäckerei nicht mehr), schnitt mir zu Hause zwei ordentliche Stücke von ab, bestrich sie mit fettreduziertem Schmelzkäse (meine Lieblings-Butter-Alternative) belegte es mit Putenaufschnitt und Gemüse, machte mir einen heißen Tee und einen leckeren Obstteller dazu und genoss es… Mmmmhhh … Essen ist ja sowas Tolles!

Die süße, symphatische Stimme auf meiner Rechten flüsterte mir ins Ohr:“ Hallo, liebe Ayşe. Schön, dass Du wieder Du bist. Ich bin stolz auf Dich…“

Ich liebe dieses entzückende Wesen! 😁 *bling*

Eine Portion Heimat

Mal eine Geschichte fürs Herz …

Wie vielleicht dem einen oder anderen unter euch bekannt ist, koche ich ganz gerne 🙂 Nicht nur für mich.
Auf der Station, wo ich arbeite (Traumastation, Kinder-und Jugendpsychiatrie) sind ab und an mal Patienten aus den verschiedensten Ländern. Unter ihnen sind auch Flüchtlingskinder, mit den herzzerreißensten und traurigsten Geschichten. Die möchtet ihr gar nicht wissen, da sträuben sich einem die Haare.
Viele sind traumatisiert von ihren Erlebnissen, leben hier alleine, ohne Eltern und Familie, haben niemanden mehr.
Viele von ihnen mögen das deutsche Essen nicht, vermissen ihre Heimatküche, ihr Lieblingsessen.

Und bei solchen Kindern habe ich immer das Bedürfnis, ständig für sie zu kochen. Ihnen wenigstens ein bisschen was Gutes tun, ein bisschen Heimatgefühl zu schenken.
Vor einiger Zeit hatten wir wieder zwei Jungs, denen es genauso ging. Als ich sie gefragt habe, was ihr Leibgericht sei, irgendwas, was ihre Mütter immer für sie kochten, was sie so gerne wieder mal essen würden, haben sie es mir mit großer Freude und Aufregung mitgeteilt.
Wir haben es gemeinsam gegoogelt, Bilder und Rezepte angeschaut und sie durften sich die Rezepte aussuchen, die sie sich wünschten:  Ghormeh Sabzi, Safranreis und Sambusa (habe dadurch zum ersten Mal Blätterteig selbst gemacht) 🙂

Gesagt, getan, habe ich mich auf den Weg nach den speziellen Supermärkten gemacht, die schwer zu finden sind, im Umkreis. Es gab so spezielle Zutaten, von denen ich noch nie gehört hatte, z.B. ganze getrocknete Limetten, eine bestimmte Kräutermischung mit Kräutern oder Gewürzen, die hier nicht überall zu bekommen sind.

Als der eine Junge mich fragte:“Darf ich Sie umarmen?“ lachte und weinte mein Mutterherz zugleich.

Das Glück in ihren Gesichtern und in ihren Herzen ist einfach unbezahlbar und für mich einer der größten Freuden, die ich immer wieder gerne erlebe.

Und es macht mich jedes Mal demütig und dankbar. Für so vieles …

Schmalznudeln? Achsoooo … :)

 

Jetzt muss ich mal was Lustiges und Interessantes erzählen. Zumindest war es für mich so.

Letztens hatte ich ein langes Wochenende in München. Es gab dort einen weiteren Kochkurs von mir (by the way: jaa! Endlich mal in München und es war mega schön!). Ich also gefragt, was ich denn mal unbedingt essen/probieren müsste, bevor ich wieder abreiste.
Schweinshaxe, Weißwurst und Co. kamen erst gar nicht infrage. Dann fiel noch das Wort „Schmalznudeln“.
Hmm, dachte ich. Das klingt interessant. Was ist das? Irgendwas mit Hefeteig … und Käse? OK.  Wo gibt’s des? Am Viktualienmarkt? Im „Cafe Schmalznudeln“? Gebongt!

Es war mein letzter Tag in München und ich dachte mir, frühstückst Du heute mal nicht im Hotel, gehste bummeln, holste Dir so’n Hefeteilchen, dann haste auch Dein Frühstück hinter Dir. Zum Mittagessen wollte ich mich eh noch mit jemandem treffen ( Alexandra, endlich! Es war so schön, dass wir uns endlich mal gesehen haben). Hatte für sie noch so ein kleines Mitbringsel-Täschchen mit einigen Schweinereien, ihr wisst schon (NEIN!! Es waren KEINE Nacktfotos von Channing Tatum und Co.!)
Ich dachte mir, wieso ein paar Blümchen mitbringen, die in ein paar Tagen im Müll landen? Lieber etwas, was ein Leben lang auf ihren Hüften landet, damit sie sich halt noch lange an mich erinnert -HARR! HARR!
Mooooment! Stop! Ich hatte auch noch ein bisschen Obst mit eingepackt, als Alibi. Chr. Chr.

Ich also, ins Café Schmalzdingens, schaute mir die Klöpse an, die da so rumlagen und dachte mir:“Oh, was für eine Ähnlichkeit die haben, mit unseren türkischen … “
Da fragte mich schon die nette Verkäuferin, was ich möchte. Ich erklärte ihr, dass mir diese Teilchen mit Käse empfohlen wurden und – da sagte sie bereits:“nee, wir hom nix mit Käse.“
Äh, okaaay … soryyy … dann muss ich das wohl irgendwie falsch verstanden haben, mit dem Käse. Ich fragte, was das denn überhaupt genau sei, mit den „Schmalznudeln“?
Und als sie mir erklärte „Hefeteig in Fett ausgebacken“ dämmerte es mir endgültig! Das waren nichts anderes als unsere türkischen „Pişi“ (pischi) !!!
PİŞİ? Echt jetzt??

Da fahre ich also 620 km, über 7 Stunden, um in München Pişi zu essen? Das Pişi, das meine Ur-Ur-Ur-Urgroßeltern schon aßen und es bei uns so ein „ach-heute-hab-ich-nix-im-Haus-dann-gibts-halt-pischi“-Gericht ist? WTF???

(Siehe Bild: das Foto vom Café hab ich gemacht. Die unteren beiden Fotos sind aus’m Netz. Links: Schmalznudeln. Rechts: Pişi)

OK. Darauf war ich jetzt wirklich nicht vorbereitet und wollte jetzt auch kein Pişi zum Frühstück essen. Obwohl der Türke da ja nix kennt und diese Dinger auch gerne zum Frühstück gemacht werden. Aber seelisch war ich jetzt ganz und gar nicht darauf vorbereitet. Und was weiß ich, was ich mir da vorgestellt hatte, aber kein Pişi, verdammt!

Aber wie sollte ich denn jetzt noch’n Rückzieher machen und flüchten?
Die Verkäuferin sagte, wenn ich am Tisch essen möchte, dann sollte ich mich schon mal hinsetzen und auf die Bedienung warten. Ich musste aber vorher mal, für kleine enttäuschte Türkinnen, und fragte nach dem WC.
Sichtlich erleichtert verließ ich das WC und setzte mich nach draußen. Das Wetter war OK.
Ich wartete auf die Bedienung.
Und wartete.
Und wartete.

Als niemand kam, stand ich einfach auf und ging. Einfach so. Kackendreist.
Innerlich machte ich eine Siegerfaust und dachte:“Yessss! Doch noch geschafft, diesem fett-triefenden, gefühlten 800-Punkte-Hefeklops zu entgehen! Yes, yes, yesss!“

Ich ging so ca. 100 m.
Innerlich hörte ich Winnersongs wie „We are the Champions“ oder „I will survive“ und grinste über beide Ohren, als …
Kennt ihr in Filmen die Szene, wo eine angenehme und tolle Musik zu hören ist, aber diese Musik plötzlich wie mit einem „Cut!“ und einem Quietschen abgeschnitten wird und man als Zuschauer weiß, jetzt kommt was Blödes (für die Protagonisten)?
Jep. Genau an dieser Stelle war ich grad auch, als es mir dämmerte:“ach du Kacke!!! Ich hab mein Geschenktäschchen auf’m Klo vergessen!!! F***k!!“

Ähm … Das gute Ooooobst! *hüstel*

Ich, so-fort zurückgerannt, durch die Gassen der Münchener City, im Kopf die „Mission Impossibel“ – Musik und der Gedanke :“oh mein Gott, hoffentlich ist die Tasche da noch irgendwo. Hoffentlich hat sie jemand bei der Verkäuferin abgegeben. Lieber Gott, lass die Tasche bitte nicht eine Zuckersüchtige wie mich gefunden haben, bitte bitte!“

Im Kopf hatte ich schon ein Horrorbild von dem fast leeren Täschchen, mit nur dem Obst darin.
Und vor allem ICH, mit Handschellen abgeführt. Am nächsten Tag SO ne große Zeile in der Bild:“moppellige Frau, A.T. aus C.-R., bestellte zuerst eine Schmalznudel und einen Kaffee, flüchtete aber bevor sie es serviert bekam.“

Dann die Aussage und das Foto von einer völlig aufgelösten und enttäuschten Bedienung:“ ich kam mit meinem Tablett an ihren Tisch und sie war … sie war einfach weg … *schluchz*… und wir waren uns so einig, dass sie bestimmt noch drei Schmalznudeln mehr bestellt  und kräftiges Trinkgeld da gelassen hätte. Es ist mein erster Arbeitstag gewesen. Ich bin für den Rest meines Arbeitslebens traumatisiert. *schnief* “

Aber, dann geschah ein Wunder: das Täschchen war mit all seinem köstlichen Inhalt noch genau da, wo ich es hingestellt hatte, in einem der zwei Toilettenräume.
Haaaa-le-luujah!

Ich schnappte es mir und schlich mich in dem Gewusel wieder unauffällig raus, auf die Straße, ohne aufgehalten oder angesprochen zu werden, in Richtung Literaturhaus, wo ich ja ein Date hatte und so lecker zum Mittag gegessen habe.

Übrigens feiere ich dieses Literaturhaus so, wegen des leckeren Essens und der Untertassen.
Also, echt mal! 😀