Jahrestag …

Mancher Besuch, der auch mein Badezimmer besucht, wird sich wohl denken:“Hm? Warum hängt der Handtuchhalter an so ’nem Garn? Warum holt sie sich nicht einen neuen?“ Was sie nicht wissen (können), ist die Geschichte dahinter:

Als meine Eltern vor 2 Jahren hier bei mir zu Besuch waren, hatte mein Vater -während er im Badezimmer war- sein Gleichgewicht verloren und versucht, sich an diesem Handtuchhalter festzuhalten. Dabei ist es wohl kaputt gegangen, ihm war aber damals -Gott sei Dank- nichts passiert.

Es war ihm so unangenehm und er entschuldigte sich dafür, was mir damals so leid tat. Selbstverständlich war dieses Ding, was man ja ersetzen konnte, gar nicht wichtig. Ich hatte es provisorisch mit einem robusten Garn festgebunden, bis ich ein neues kaufen würde.
Irgendwie kam ich nie dazu und kaum ein Jahr später starb mein Vater.

Ich wollte es dann auch gar nicht mehr erneuern. Auch wenn es blöd aussehen mag … es erinnert mich an meinen Vater und ich möchte, dass es bleibt.
Ja, sie leben in unseren Herzen weiter und ja, es gibt so viele andere Erinnerungen, aber manche Dinge, so banal sie auch sein mögen, sind einem so wichtig. Man möchte es so lassen und nicht ändern.

Gestern war der Jahrestag. So schnell ist schon ein Jahr um … In meinen Handy heißt es auch immer noch „Babam ev“ (Papa Haus) und „babam cep“ (Papa Handy). Das werde ich auch nie ändern oder löschen.

Und immer wenn ich, weiterhin jeden Tag, meine Mutter über „Babam ev“ anrufe, denke ich an die Momente, an denen Papa ranging und (mit seinem unvergleichlichen, trocken Humor) sagte :“Du schon wieder? JE-DEN Tag … Du nervst“

Ich vermisse seinen Humor, seine Scherze, seine Stimme. Ich vermisse ihn.

Aber er wird in so vielen Dingen, in Bildern, Videos, in Sprüchen, seinen Liedern, in meinen Geschichten … und auch in so unscheinbaren Gegenständen, wie in diesem kaputten Handtuchhalter, weiterleben.

Aber für immer und ewig, in meinem Herzen … 

Eindrücke: Kochkurs Darmstadt, 01.02.2020


… und noch ganz frisch aus dem Urlaub zurück, inspiriert von Kappadokien und mit vielen hübschen, neuen, mitgebrachten Accessoires, ging es zum ersten Kochkurs dieses Jahres. Es war ein toller Start!

Ich liebe meine neuen „Alaadin-Lampen“, meinen neuen Tischläufer, mit den vielen, türkischen Symbolen und Wahrzeichen drauf, meine tanzenden Derwische, UND! meinen selbstgebastelten „Wunschbaum“, mit den vielen blauen Augen dran, von denen ich in Kappadokien so begeistert war. Ich liebe diese „blauen Bäumchen“, die in Kappadokien überall zu bewundern waren.
Was keiner weiß: ich bin eigentlich aus dem Grund nach Kappadokien gefahren, weil ich gehofft hatte, diese „Wunschbäume“ dort als Miniatur, als Souvenir kaufen zu können.
Ich wollte es als neues Accessoire/Deko für meine Kochkurse verwenden, aber leider gab es da sowas nicht. Was für ein Fehler! Wenn ich dort leben würde, würde ich viele solcher Bäume basteln und an die Touris verkaufen, die dort an diesen Bäumen Schlange stehen, um damit ein Foto zu machen. Ich bin mir sicher, dass bestimmt noch viele andere Menschen -so wie ich- so ein Bäumchen gerne haben würden. Ich hätte dafür echt viel Geld gelassen. Tja, Pech gehabt:) Egal, jetzt hab ich ein Selbstgebasteltes. Ist noch viel besonderer. Freue mich sehr, meinen Kursteilnehmern ein ganz kleines Stück Türkei, Kappadokien und Tausendundeine Nacht mitbringen zu dürfen 🙂

Ein kurzer Urlaub in der Heimat …

Hatte im Januar wieder meine liebe Mutter besucht, für 2 Wochen. Diesmal habe ich auch einen Kurztrip nach Kappadokien gemacht, und was soll ich sagen … Ich habe mich über mich selbst geärgert, dass ich diesen faszinierenden Ort erst jetzt besucht habe. Ich war einfach nur geflasht! Kappadokien ist der Oberhammer!

Hello 2020!

Und da isses, das neue Jahrzehnt! Boah, das fühlt sich richtig … äh … gleich an? Hoffe, Ihr seid alle gut reingerutscht?

Ich möchte Euch mal zeigen, wie unser Silvesterbuffet aussah. Wie Ihr seht, konnte ich mich mal wieder gut austoben, was ich LIEBE! Wir haben mit der Family gefeiert (Söhne und Neffen) und diesmal wollte ich nicht nur türkische Sachen machen, sondern mal wieder internationale Gerichte. Im Einzelnen gab es:

  • Canapés mit 3 verschiedenen Belägen: Dip aus Tomatenpaste (getrocknete Tomaten), Frischkäse und gehackten Walnüssen. Mit getr. Tomatenstreifen, Granatapfelkernen und Dill dekoriert. (Eigenkreation) *** Şakşuka (türkische Auberginen-Zucchini-Vorspeise) *** Humus mit Pastirma-Rosen (türkischer Rinderschinken)
  • Rote Beete-Dip
  • „Kartoffelbomben“ mit einem Häubchen aus rote Zwiebeln-Salat (das Rezept hatte ich am 30. November auf Instagram gepostet)
  • Hähnchenkeulen im Knuspermantel, mit selbstgemachtem Ketchup
  • Garnelen im knusprigem Kartoffelmantel, mit selbstgemachtem Dip
  • Mexikanischer Taco-Salat (nach einem Rezept von „Sally’s Welt“)
  • Vietnamesische Sommerrollen, mit selbstgemachtem Dip
  • Crème Brûlée 
  • Snickers-Kuchen
  • Kadayif-Hörnchen mit leichter Vanillecremefüllung (das Rezept hatte ich am 30. November auf Instagram gepostet)

Das Lied, was im Hintergrund zu hören ist, wurde an dem Abend von meinem Sohn gesungen. Es war also ein sehr angenehmer, leckerer und unterhaltsamer Abend, bei uns. Man sagt bei uns Türken immer:“Yeni yila nasil girersen, bütün yilin öyle gecer“. Soll heißen:“Dein ganzes Jahr wird so sein, wie Du es beginnst.“ Hm … trifft leider nicht immer zu. Vielleicht auch besser so. Sonst wärst Du spätestens am 1.1. deinen Lappen los. *hüstel* Nein, Spaß. Die Bedeutung dürfte klar sein.

Und am Wochenende darf ich mich wieder austoben, da bekomme ich nämlich wieder ganz lieben Besuch. Die Gastgeberin vom Kochkurs in Winterkasten und eine Teilnehmerin werden da sein, worüber ich mich sehr freue. Ich muss immer schmunzeln, wenn die Leute vorher sagen:“Ayse, wir möchten nicht, dass Du Dir Umstände machst. Lass uns was mitbringen oder zusammen kochen.“

Ist ja total lieb und süß, aber 1. koche und bekoche ich unheimlich gerne Menschen und habe sehr gerne Gäste, 2. wird bei mir nicht was mitgebracht und schon gar nicht mitgeholfen oder mitgekocht (wenn es nicht gerade ein Kochkurs ist). Es wird sich nur von mir verwöhnen lassen, alles genossen, nichts getan. Das besagt § 2, Absatz 1, TGGB (türkisches Gästegesetzbuch). Das hat der Gast dann schon automatisch, bei der Zusage zur Einladung, unterschrieben. Unter Türken.

Bei den deutschen Gästen ist es etwas komplizierter, da sie immer alles genau wissen und das Kleingedruckte lesen wollen. Deutsche Gäste unterschreiben direkt an der Haustür, kurz bevor sie die Schuhe ausziehen müssen. Mit den Schuhen geben sie quasi ihre Hilfsrechte ab.

Nee, eingezogen wird bei mir nicht, trotz betteln und bitten. Am Ende, mehr als gesättigt, geht man -zufrieden und glücklich- schön wieder nach Hause. Es gibt so einige lustige, türkische Sprichwörter, über Gäste. Eines davon ist der hier: „Misafir üc gün misafirdir.“ „Der Gast ist nur drei Tage ein Gast.“ Soll heißen, dass ein Gast nur drei Tage ein Gast bleibt, ab dann ist er es offiziell nicht mehr und darf/sollte auch im Haushalt mithelfen (aber zwischen den Zeilen soll es wohl heißen, dass er möglichst nicht länger als drei Tage bleiben sollte. „Wayssu Beschayd, nä?“ hätte mein Vater jetzt gesagt … möge er in Frieden ruhen.)

Ein weiteres Sprichwort heißt: „Misafir umdugunu degil, buldugunu yer.“ „Der Gast isst nicht, was er sich erhofft/erwartet, sondern das, was man ihm vorsetzt.“ Soll heißen, dass man als Gast nicht zu hohe Erwartungen an den Gastgeber haben und sich mit dem Begnügen sollte, was man bekommt. Also,auf deutsch gesagt: das nächste Mal nicht von einem 3 Gänge-Menü träumen, sondern sich auf ’ne Käsestulle einstellen. Wenn man dann positiv überrascht wird, und es Königberger Klopse gibt, umso schöner. OK, für Vegetarier: Zwiebelkuchen ohne Speck.

Moaah, jaaa-haaa, okaaay, für Veganer: Linsensuppe mit Tofu-Einlage. Natürlich auch ohne Speck. *augenverdreh* (Aber „Ketos“ und „LowCarb“ler haben jetzt Pech gehabt, so!)

Und selbstverständlich gibt es auch positive Sprichwörter, über Gäste, wie z.B. :“Misafir on kismetle gelir. Birini yer, dokuzunu birakir.“ „Der Gast kommt mit zehn Mal Glück in seinem Gepäck. Den einen verspeist er, die anderen neun hinterlässt er.“ Diesen Spruch finde ich besonders schön. Soll heißen, dass man vielleicht Unkosten und Mühen hat, wegen ihm, aber das, was man für ihn macht, also die Gastfreundschaft, kommt irgendwie, irgendwann als Karma (oder auch am gleichen Tag, als Freude und Glück, was mir besonders zusagt) wieder zu einem zurück. Oder so ähnlich, ist immer etwas schwer, manche Sachen zu übersetzen und verständlich zu machen.

So, das war’s mal wieder mit „Aysenputtel erklärt Euch ihre türkische Welt.“

Lasst es Euch gut gehen und rockt 2020, ob als Gäste, Gastgeber oder whatever. Glück auf!

Goodbye, 2019 …

Das Lied im Video ist von mir gesungen. Es ist eines meiner Lieblingslieder und eines der bekanntesten, zu Silvester.
Mairi Campbell ist natürlich unerreichlich, mit dem schottischen Original, aber … i did it my way, you know?🤷‍♀️ Das waren meine persönlichen Highlights, in diesem Jahr … die Kochkurse.
Ich danke allen, die dabei waren und freue mich auf die vielen, kommenden Kurse.

Ich könnte jetzt einen ellenlangen Text über Vergangenes, Höhen und Tiefen,  Freundschaften und vieles mehr schreiben, aber ich lasse es mal.

Ich habe auch dieses Jahr meine schönen und unschönen Erlebnisse gehabt, und werde aus Fehlern lernen, Erfahrungen mitnehmen und dankbar sein für mein Leben, meine Lieben, die gesund sind und meine wahren Freunde, die auch noch da sind, wenn ich mal nicht so funktioniere, wie gewohnt.

Möge es für uns alle ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr sein.

Danke an alle , die mein Leben auf irgendeine Art verschönern und bereichern.

Ich bin bereit, 2020 ! 💪😊