Hello 2020!

Und da isses, das neue Jahrzehnt! Boah, das fühlt sich richtig … äh … gleich an? Hoffe, Ihr seid alle gut reingerutscht?

Ich möchte Euch mal zeigen, wie unser Silvesterbuffet aussah. Wie Ihr seht, konnte ich mich mal wieder gut austoben, was ich LIEBE! Wir haben mit der Family gefeiert (Söhne und Neffen) und diesmal wollte ich nicht nur türkische Sachen machen, sondern mal wieder internationale Gerichte. Im Einzelnen gab es:

  • Canapés mit 3 verschiedenen Belägen: Dip aus Tomatenpaste (getrocknete Tomaten), Frischkäse und gehackten Walnüssen. Mit getr. Tomatenstreifen, Granatapfelkernen und Dill dekoriert. (Eigenkreation) *** Şakşuka (türkische Auberginen-Zucchini-Vorspeise) *** Humus mit Pastirma-Rosen (türkischer Rinderschinken)
  • Rote Beete-Dip
  • „Kartoffelbomben“ mit einem Häubchen aus rote Zwiebeln-Salat (das Rezept hatte ich am 30. November auf Instagram gepostet)
  • Hähnchenkeulen im Knuspermantel, mit selbstgemachtem Ketchup
  • Garnelen im knusprigem Kartoffelmantel, mit selbstgemachtem Dip
  • Mexikanischer Taco-Salat (nach einem Rezept von „Sally’s Welt“)
  • Vietnamesische Sommerrollen, mit selbstgemachtem Dip
  • Crème Brûlée 
  • Snickers-Kuchen
  • Kadayif-Hörnchen mit leichter Vanillecremefüllung (das Rezept hatte ich am 30. November auf Instagram gepostet)

Das Lied, was im Hintergrund zu hören ist, wurde an dem Abend von meinem Sohn gesungen. Es war also ein sehr angenehmer, leckerer und unterhaltsamer Abend, bei uns. Man sagt bei uns Türken immer:“Yeni yila nasil girersen, bütün yilin öyle gecer“. Soll heißen:“Dein ganzes Jahr wird so sein, wie Du es beginnst.“ Hm … trifft leider nicht immer zu. Vielleicht auch besser so. Sonst wärst Du spätestens am 1.1. deinen Lappen los. *hüstel* Nein, Spaß. Die Bedeutung dürfte klar sein.

Und am Wochenende darf ich mich wieder austoben, da bekomme ich nämlich wieder ganz lieben Besuch. Die Gastgeberin vom Kochkurs in Winterkasten und eine Teilnehmerin werden da sein, worüber ich mich sehr freue. Ich muss immer schmunzeln, wenn die Leute vorher sagen:“Ayse, wir möchten nicht, dass Du Dir Umstände machst. Lass uns was mitbringen oder zusammen kochen.“

Ist ja total lieb und süß, aber 1. koche und bekoche ich unheimlich gerne Menschen und habe sehr gerne Gäste, 2. wird bei mir nicht was mitgebracht und schon gar nicht mitgeholfen oder mitgekocht (wenn es nicht gerade ein Kochkurs ist). Es wird sich nur von mir verwöhnen lassen, alles genossen, nichts getan. Das besagt § 2, Absatz 1, TGGB (türkisches Gästegesetzbuch). Das hat der Gast dann schon automatisch, bei der Zusage zur Einladung, unterschrieben. Unter Türken.

Bei den deutschen Gästen ist es etwas komplizierter, da sie immer alles genau wissen und das Kleingedruckte lesen wollen. Deutsche Gäste unterschreiben direkt an der Haustür, kurz bevor sie die Schuhe ausziehen müssen. Mit den Schuhen geben sie quasi ihre Hilfsrechte ab.

Nee, eingezogen wird bei mir nicht, trotz betteln und bitten. Am Ende, mehr als gesättigt, geht man -zufrieden und glücklich- schön wieder nach Hause. Es gibt so einige lustige, türkische Sprichwörter, über Gäste. Eines davon ist der hier: „Misafir üc gün misafirdir.“ „Der Gast ist nur drei Tage ein Gast.“ Soll heißen, dass ein Gast nur drei Tage ein Gast bleibt, ab dann ist er es offiziell nicht mehr und darf/sollte auch im Haushalt mithelfen (aber zwischen den Zeilen soll es wohl heißen, dass er möglichst nicht länger als drei Tage bleiben sollte. „Wayssu Beschayd, nä?“ hätte mein Vater jetzt gesagt … möge er in Frieden ruhen.)

Ein weiteres Sprichwort heißt: „Misafir umdugunu degil, buldugunu yer.“ „Der Gast isst nicht, was er sich erhofft/erwartet, sondern das, was man ihm vorsetzt.“ Soll heißen, dass man als Gast nicht zu hohe Erwartungen an den Gastgeber haben und sich mit dem Begnügen sollte, was man bekommt. Also,auf deutsch gesagt: das nächste Mal nicht von einem 3 Gänge-Menü träumen, sondern sich auf ’ne Käsestulle einstellen. Wenn man dann positiv überrascht wird, und es Königberger Klopse gibt, umso schöner. OK, für Vegetarier: Zwiebelkuchen ohne Speck.

Moaah, jaaa-haaa, okaaay, für Veganer: Linsensuppe mit Tofu-Einlage. Natürlich auch ohne Speck. *augenverdreh* (Aber „Ketos“ und „LowCarb“ler haben jetzt Pech gehabt, so!)

Und selbstverständlich gibt es auch positive Sprichwörter, über Gäste, wie z.B. :“Misafir on kismetle gelir. Birini yer, dokuzunu birakir.“ „Der Gast kommt mit zehn Mal Glück in seinem Gepäck. Den einen verspeist er, die anderen neun hinterlässt er.“ Diesen Spruch finde ich besonders schön. Soll heißen, dass man vielleicht Unkosten und Mühen hat, wegen ihm, aber das, was man für ihn macht, also die Gastfreundschaft, kommt irgendwie, irgendwann als Karma (oder auch am gleichen Tag, als Freude und Glück, was mir besonders zusagt) wieder zu einem zurück. Oder so ähnlich, ist immer etwas schwer, manche Sachen zu übersetzen und verständlich zu machen.

So, das war’s mal wieder mit „Aysenputtel erklärt Euch ihre türkische Welt.“

Lasst es Euch gut gehen und rockt 2020, ob als Gäste, Gastgeber oder whatever. Glück auf!

Goodbye, 2019 …

Das Lied im Video ist von mir gesungen. Es ist eines meiner Lieblingslieder und eines der bekanntesten, zu Silvester.
Mairi Campbell ist natürlich unerreichlich, mit dem schottischen Original, aber … i did it my way, you know?🤷‍♀️ Das waren meine persönlichen Highlights, in diesem Jahr … die Kochkurse.
Ich danke allen, die dabei waren und freue mich auf die vielen, kommenden Kurse.

Ich könnte jetzt einen ellenlangen Text über Vergangenes, Höhen und Tiefen,  Freundschaften und vieles mehr schreiben, aber ich lasse es mal.

Ich habe auch dieses Jahr meine schönen und unschönen Erlebnisse gehabt, und werde aus Fehlern lernen, Erfahrungen mitnehmen und dankbar sein für mein Leben, meine Lieben, die gesund sind und meine wahren Freunde, die auch noch da sind, wenn ich mal nicht so funktioniere, wie gewohnt.

Möge es für uns alle ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr sein.

Danke an alle , die mein Leben auf irgendeine Art verschönern und bereichern.

Ich bin bereit, 2020 ! 💪😊

Ayşenputtel und die Diva-Flüsterin

Gestern war wieder mal ein Shit-Tag für mich. Ja, mit mir wird’s echt nie langweilig.

Wie alles begann …

Gestern Vormittag hatte ich einen Termin bei meinem Urologen. Den sehe ich in letzter Zeit sogar häufiger als meinen DHL-Mann (der auch für Nachbarn bei mir anklingelt).
Er hatte letzte Woche Blut abgenommen (also mein Urologe, nicht der DHL-Mann), weil er den Wert des Parathormons (Nebenschilddrüse) wissen wollte. Wenn der nicht in Ordnung ist, kann es nämlich auch ein Grund sein, warum mein Körper ständig Nierensteine produziert.
Und da ich am Wochenende SCHON WIEDER Nierenschmerzen hatte, traf sich der Termin ganz gut.
Er gab mir die Neuigkeit, dass mein Parathormon-Wert zu hoch sei (bei niedrigem Kalziumwert) und er mir jetzt Vitamin-D verschreibt, und ich gab ihm die Neuigkeit, dass ich seit Samstag schon wieder Schmerzen habe. Was haben wir beide uns doch gefreut! (Nicht)

Er musste dann aber noch einen drauflegen, während er beim Ultraschall sagte „Sie haben einen Nierenstau. Ich muss Sie sofort ins Krankenhaus überweisen“. OK, gewonnen.

Ich, erstmal sofort nach Hause gefahren, schnell meine Tasche fertig gepackt und ins gleiche KH gefahren, wo ich erst vor einer Woche entlassen wurde.
Ach so, ein wichtiges Detail muss ich noch hinzufügen: Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch nicht gefrühstückt. Nur ne halbe Banane. Hab morgens nach dem Aufstehen nie sofort Hunger und wollte nach dem Arztbesuch in Ruhe frühstücken. Wer rechnet denn damit, dass man sofort ins KH muss und dann … aber dazu gleich.

Fazit: Habe das KH um 12:15 Uhr betreten und durfte es um 19:30 wieder verlassen. In dieser gesamten Zeit wurde Folgendes durchgeführt:
1. Gespräch und Ultraschall (20 Minuten)
2. Blutentnahme, Zugang legen (5 Minuten)
3. IVP (Nierenröntgen mit Kontrastmittel, ca. 35 Minuten)
4. Später noch ein weiteres Röntgenbild (5 Minuten)
5. Endgespräch mit dem Arzt, bevor ich nach Hause durfte (10 Minuten)

Das macht genau 1 Stunde und 15 Minuten.
Meine Verweildauer im KH, bzw. im Wartezimmer der urologischen Ambulanz betrug aber insgesamt fast 7 Stunden! Merkt ihr was?
Genau, meine reine Wartezeit betrug fast 6 Stunden.
SECHS. STUNDEN ! Mit nüchternem Magen !!!
Ich durfte nämlich ausdrücklich nichts essen und trinken, weil sie nicht wussten, ob sie nicht doch noch irgendeinen Eingriff bei mir durchführen mussten.

Irgendwann fühlte ich die Unterzuckerung und den Hunger so deutlich (Kopfschmerzen, Übelkeit, extreme Gereiztheit), dass meine innere Diva mehr und mehr zum Vorschein kam.
Sie wuchs und entwickelte sich regelrecht phasenweise: Von einer Beatrice Egli zur Jennifer Lopez, von einer Zsa Zsa Gabor zur Joan Collins!

Ich versuchte ihre Stimme zu verdrängen, die in mir quengelte und schrie und rumstänkerte:“ Miimimimii… die Stühle hier sind total ungemütlich! Mimimimiii… der Typ da in der hintersten Ecke hat Mundgeruch! Mimimimii… Die Bilder da an der Wand sind doof. „Concentric Circles“? Wat soll datten sein? Kunst? Das hätte meine 8-jährige Nachbarstochter viel schöner hingekricht. Und husefack ist Kandinsky?! Mimimii… Ich hab Hunger und will jetzt was essen. SO-FORT!!“

Und nett und freundlich waren alle da. Jede Schwester, jeder Arzt. Bah!
Konnte man sich noch nicht mal mit jemandem anlegen.

Jemand so: Entschuldigen Sie, haben Sie …
Und ich so:

OK, am Ende des Tages durfte ich also nach Hause: Es war kein Stein unterwegs, alle noch schön brav in beiden Nieren schlummernd. Die Beschwerden könnten von dem letzten Eingriff sein, oder aber auch von der relativ großen, bereits bekannten Nierenzyste, die ich da auch noch habe. Im Röntgen konnte man erkennen, dass das Kontrastmittel in der linken Niere etwas langsamer abfließt, als in der rechten. Nierenstau (nur) 1.Grades. Aber seit Samstag keine Schmerzen mehr.

Empfehlung: Ambulante Therapie. Als nächstes liegt eine Nierenfunktionsuntersuchung an, dann sieht man weiter.
Soweit, so gut.

Im Auto, als mein Mann mich abholte, erwartete ich schon, dass er mir einen Snickers mitbrachte und sagte:“Du bist nicht Du, wenn Du hungrig bist.“

Ich sagte: „Bitte schnell nach Hause. Und auf dem Weg zum Dönerman.“ Dönerman war heute mein Superman!

Irgendwann hatte ich nämlich so die Schnauze voll und es war mir alles egal. Wollte nur ganz schnell was essen, was Fettes, Mächtiges, und dann noch Süßes! Punkte und Kalorien und Waage konnten mich mal. Pah!

Diese, diese nervige … Tussi auf meiner rechten Schulter meldete sich wieder zu Worte …

„Miiimiii… Aber, Ayşe, Du solltest vernünftig sein. Ein Döner und dann was fieses Süßes ist keine gute Idee. Du wolltest doch-„

*nachäff* „Ebe de welltest dech…“ Mooaaah, die Alte nervt sowas von!

Der coole Typ auf meiner Linken und ich so:“SCHNAUZE!!!!“

Aber diese blöde Schlampe ließ einfach nicht locker!
Sie redete so lange auf mich ein, bis ich zu meinem Mann sagte:“Halt‘ bitte nicht beim Dönerman, sondern bei Rewe an.“
Der hatte ja noch bis 21 Uhr auf und da holte ich mir dann ein Baguette zum Aufbacken (frische gabs da leider in der Bäckerei nicht mehr), schnitt mir zu Hause zwei ordentliche Stücke von ab, bestrich sie mit fettreduziertem Schmelzkäse (meine Lieblings-Butter-Alternative) belegte es mit Putenaufschnitt und Gemüse, machte mir einen heißen Tee und einen leckeren Obstteller dazu und genoss es… Mmmmhhh … Essen ist ja sowas Tolles!

Die süße, symphatische Stimme auf meiner Rechten flüsterte mir ins Ohr:“ Hallo, liebe Ayşe. Schön, dass Du wieder Du bist. Ich bin stolz auf Dich…“

Ich liebe dieses entzückende Wesen! 😁 *bling*

Eine Portion Heimat

Mal eine Geschichte fürs Herz …

Wie vielleicht dem einen oder anderen unter euch bekannt ist, koche ich ganz gerne 🙂 Nicht nur für mich.
Auf der Station, wo ich arbeite (Traumastation, Kinder-und Jugendpsychiatrie) sind ab und an mal Patienten aus den verschiedensten Ländern. Unter ihnen sind auch Flüchtlingskinder, mit den herzzerreißensten und traurigsten Geschichten. Die möchtet ihr gar nicht wissen, da sträuben sich einem die Haare.
Viele sind traumatisiert von ihren Erlebnissen, leben hier alleine, ohne Eltern und Familie, haben niemanden mehr.
Viele von ihnen mögen das deutsche Essen nicht, vermissen ihre Heimatküche, ihr Lieblingsessen.

Und bei solchen Kindern habe ich immer das Bedürfnis, ständig für sie zu kochen. Ihnen wenigstens ein bisschen was Gutes tun, ein bisschen Heimatgefühl zu schenken.
Vor einiger Zeit hatten wir wieder zwei Jungs, denen es genauso ging. Als ich sie gefragt habe, was ihr Leibgericht sei, irgendwas, was ihre Mütter immer für sie kochten, was sie so gerne wieder mal essen würden, haben sie es mir mit großer Freude und Aufregung mitgeteilt.
Wir haben es gemeinsam gegoogelt, Bilder und Rezepte angeschaut und sie durften sich die Rezepte aussuchen, die sie sich wünschten:  Ghormeh Sabzi, Safranreis und Sambusa (habe dadurch zum ersten Mal Blätterteig selbst gemacht) 🙂

Gesagt, getan, habe ich mich auf den Weg nach den speziellen Supermärkten gemacht, die schwer zu finden sind, im Umkreis. Es gab so spezielle Zutaten, von denen ich noch nie gehört hatte, z.B. ganze getrocknete Limetten, eine bestimmte Kräutermischung mit Kräutern oder Gewürzen, die hier nicht überall zu bekommen sind.

Als der eine Junge mich fragte:“Darf ich Sie umarmen?“ lachte und weinte mein Mutterherz zugleich.

Das Glück in ihren Gesichtern und in ihren Herzen ist einfach unbezahlbar und für mich einer der größten Freuden, die ich immer wieder gerne erlebe.

Und es macht mich jedes Mal demütig und dankbar. Für so vieles …